Predigten 5. Reihe

Predigt letzter Sonntag nach Epiphanias 28.1.07



Liebe Gemeinde,
Weihnachten und Karfreitag – wie bringen wir das zusammen? Das eine ein Fest der Freude, das Andere voller Trauer. Um diese zwei so verschiedenen Aspekte des Lebens geht es heute in dem Predigttext, der im Evangelium bei Johannes zu finden ist.
Da antwortete ihm das Volk: Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus in Ewigkeit bleibt; wieso sagst du dann: Der Menschensohn muss erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn? Da sprach Jesus zu ihnen: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht. Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit ihr Kinder des Lichtes werdet. Das redete Jesus und ging weg und verbarg sich vor ihnen. Und obwohl er solche Zeichen vor ihren Augen tat, glaubten sie doch nicht an ihn, damit erfüllt werde der Spruch des Propheten Jesaja, den er sagte (Jesaja 53,1): „Herr, wer glaubt unserm Predigen? Und wem ist der Arm des Herrn offenbart?" Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja hat wiederum gesagt (Jesaja 6,9- 10): „Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und ich ihnen helfe." Das hat Jesaja gesagt, weil er seine Herrlichkeit sah und redete von ihm.

Es geht um ein Gespräch zwischen Jesus und einigen Menschen,
Jesus spricht davon, dass der Menschensohn erhöht werden wird. Erhöht: das klingt ja eigentlich wie eine Auszeichnung oder Beförderung, wie wenn er auf ein Podest käme und über allen Menschen stehen würde. Wir heute denken bei Menschensohn an Jesus selbst und natürlich sofort an die Himmelfahrt: "sitzend zur Rechten Gottes" - darauf könnte sich die Aussage beziehen. Aber nein, Jesus spricht hier von seinem bevorstehenden Tod. Sein Tod am Kreuz, durch den er zum Vater auffährt, ist gemeint wenn hier von Erhöhung die Rede ist.
Für Jesus ist sein Tod ebenso wie sein Leben der Weg zum Vater, zu Gott.Das haben die Menschen damals freilich nicht zusammengebracht mit ihrer Erwartung von dem versprochenen Retter. Denn in den Schriften heißt es von diesem Retter, dass er für immer bleiben soll, oder jedenfalls mindestens 1000 Jahre. Wie kann Jesus aber dann davon reden, dass der Menschensohn erhöht werden muss - also von ihnen weggehen wird? Wer ist überhaupt dieser Menschensohn? Spricht Jesus hier von sich selbst, oder meint er jemand ganz anderen? Das ist es, was die Menschen gerne von ihm wissen möchten. Sie möchten Klarheit darüber, ob Jesus wirklich der ist, den sie erwarten.Doch Jesus gibt ihnen keine klare Antwort, sondern drückt sich sehr geheimnisvoll aus. Er spricht von einem Licht, das nur noch eine Weile da ist und das man deshalb jetzt unbedingt nutzen soll. Man soll jetzt seinen Weg gehen, damit man nicht in die Dunkelheit hinaus muss und sich womöglich verirrt.
Wenn man das tut, so wird man im Licht leben, also immer Licht haben - obwohl das ja eigentlich der Aussage widerspricht, dass das Licht bald weg ist. Es scheint also doch eine Möglichkeit zu geben, sich das Licht zu erhalten. Wenn man ihm jetzt folgt, dann wird es einem auch später nicht verloren gehen. Man wird es haben, selbst dann, wenn es nicht mehr da ist.
Natürlich ahnen wir längst, dass Jesus sich selbst gemeint hat mit diesem Licht. "Ich bin das Licht der Welt", sagt er an anderer Stelle, "wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben."
Aber dieses Licht wird eben nicht immer da sein. Es ist klar, worauf er hier anspielt: auf sein bevorstehendes Leiden und Sterben, von dem die meisten Menschen damals noch nichts wissen konnten, aber auch nichts wissen wollten. Wir hören diesen Text ja am Übergang zwischen dem Ende der Epiphaniaszeit, in der es um die Erscheinung des Lichtes in Jesus Christus geht, und der kommenden Passionszeit, die uns daran erinnern wird, dass der Weg Jesu ans Kreuz führt.

Die Menschen damals dachten, dass Jesus immer bei ihnen bleiben würde. Sie hatten den verständlichen Wunsch, dass das Licht, das ihnen mit Jesus aufgegangen ist, immer leuchten möge. Vielleicht ist er so schnell verschwunden nach diesem Gespräch, um denen, die es nicht wahrhaben wollten, deutlich zu machen: ich werde nur noch eine begrenzte Zeit bei euch sein. Darum nutzt diese kostbare Zeit. Glaubt an das Licht und folgt dem Licht, solange es da ist. Sonst kann es irgendwann auf einmal zu spät sein - und ihr steht plötzlich im Dunkeln.Glaubt an das Licht, solange ihr es habt! Sein Hinweis, dass dieses Licht einmal nicht mehr da sein wird, soll uns bewusst machen: Leben gibt es nur jetzt und heute. Keinen Augenblick dürfen wir versäumen. Wir sollen das Licht, das jetzt noch da ist, wahrnehmen und ihm folgen. " Darum glaubt an das Licht, damit ihr Kinder des Lichtes werdet."
Wie entscheidet man sich für das Licht? Wer Jesus nachfolgt, entdeckt die Kostbarkeit jeden Augenblicks, den wir bewusst leben, gerade im Wissen um die Vergänglichkeit. Wer Jesus nachfolgt, behält und findet das Licht gerade auch in Zeiten des Leidens und der Dunkelheit. Das ist die Verheißung unseres Textes.

Jesus ist am Kreuz gestorben und ins Grab gelegt worden ­ und er ist auferstanden und aufgefahren zum Vater. Jesus ist in seinem irdischen Leben ein Licht für viele Menschen, und spricht davon, dass er für immer Licht der Welt sein will. Durch seine Auferstehung wird er zum ewigen Licht. Nach seiner Kreuzigung herrscht Trauer und Düsternis, doch er überwindet den Tod und erhellt uns mit seinem göttlichen Licht die Dunkelheit. Er schenkt uns von neuem Hoffnung und Liebe. Damit wird klar, das Licht überwindet jede Dunkelheit.
Jesus ermutigt uns an das Licht zu glauben und es anzunehmen, auch gerade dann, wenn alles um uns düster und sinnlos ist. Natürlich ist das nicht immer einfach, doch wenn wir es nicht wenigstens versuchen, können wir uns in der Dunkelheit verlieren.

Wenn wir das Osterlicht, oder auf dem Altar die Kerzen anzünden, dann verkünden wir bildhaft dieses Licht, das er für uns ist. Lassen wir es in unser Leben leuchten, nehmen wir es mit in unseren Alltag, damit es unsere Herzen erhelle.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserm Herrn.
Amen

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